So entsteht das Leben im Labor einer Kinderwunschklinik

Sterile Röhrchen, Glaspipetten und Petrischalen sind die Arbeitsinstrumente eines Embryologen im Labor einer Kinderwunschklinik. Dieser Ort, an dem Leben entsteht, ist der einzige, zu dem die Patienten in der Regel keinen Zugang haben. Dies gibt sich durch die notwendigen Raumbedingungen in den Laboren. Und vielleicht ist dies auch der Grund, warum es einer der Teile der Klinik ist, der bei den Patienten von IVF-Spain das größte Interesse weckt.

Leonor Ortega, die Leiterin des Labors von IVF-Spain, wird Ihnen heute erklären, was wirklich im Labor einer Fruchtbarkeitsklinik passiert. Mit diesem Interview möchten wir unser Labor im übertragenen Sinne öffnen, ohne dabei die Arbeitsabläufe zu gefährden.

Die Patientin hat bereits das Protokoll zur Stimulation der Eierstöcke befolgt und der lang ersehnte Tag der Follikelpunktion und Eizellentnahme ist gekommen. Zweifellos einer der wichtigsten Schritte in der Fruchtbarkeitsbehandlung.

Wie läuft die Gewinnung der Eizellen ab?

Die Gewinnung der Eizellen erfolgt durch die Follikelpunktion. Diese Follikelpunktion wird im Operationssaal von einem Gynäkologen, assistiert von einer Krankenschwester, durchgeführt. Mit Hilfe von Ultraschall werden die Follikel mit einer bestimmten Größe (größer als 16 mm) mit der Punktionsnadel punktiert und nacheinander abgesaugt. Die Flüssigkeit, die dadurch gewonnen wird, wird in ein steriles Röhrchen gegeben und in das In-vitro-Fertilisationslabor gebracht, wobei immer eine konstante Temperatur von 37ºC eingehalten werden muss.

Im Labor unserer Kinderwunschklinik wird der Inhalt dieser Röhrchen auf eine 90 mm große Petrischale gegeben und unter der Lupe werden die Oozyten-Korona-Kumulus Komplexe mithilfe einer sterilen Glaspipette entnommen. Diese werden auf eine andere Petrischale gegeben, um sie dort von Zell- und Blutresten zu reinigen und sie so sauber wie möglich zu bekommen. Damit sie sich an ihre neue Umgebung gewöhnen und sich stabilisieren können, werden die Eizellen eine Stunde lang in der Petrischale gelassen.

Wir sind uns bewusst, dass nicht nur die Eizellen wichtig sind, damit eine erfolgreiche Befruchtung stattfinden kann, denn wir wissen auch, dass der männliche Faktor in 40% der Fälle von Unfruchtbarkeit eine Rolle spielt.

Wie wird die Spermienfunktionalität gemessen bzw. die Samenaufbereitung durchgeführt?

Die Samenkapazitation ist ein grundlegender Prozess bei einer Behandlung zur assistierten Reproduktion.

Durch die Samenaufbereitung erhalten wir die besten Spermatozoen, um die Eizelle befruchten zu können. Für die Aufbereitung benötigen wir neben der Samenprobe auch eine Zentrifuge und die entsprechenden Mittel, um diese Samenwäsche durchzuführen.

Hier gibt es zwei Techniken: Dichtegradientenzentrifugation und Swim-Up. Je nach den Ausgangsbedingungen wählen wir die geeignete Technik aus.

Labor Kinderwunschklinik

Welche Umgebung sollte im Labor einer Kinderwunschklinik herrschen, um die Embryonalentwicklung nicht zu beeinflussen?

Im IVF-Labor müssen sehr stabile Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen eingehalten werden. Was die Belüftung betrifft, besitzen wir Überdruckbelüftung, um zu verhindern, dass kontaminierende Stoffe in das Labor eindringen. Des Weiteren wird die Luft durch verschiedene Filter gereinigt; es kommt keine direkte Luft von außen ins Labor. Im Labor haben wir zudem einen Luftreinigungsturm, der 24 Stunden am Tag in Betrieb ist.

Außerdem verwenden wir kein Parfüm oder Deodorant mit Geruch und auch keine Körperlotionen mit starkem Geruch, damit keine flüchtigen Verbindungen entstehen, die die embryonale Entwicklung stören könnten. Das Gleiche machen wir mit Make-up, Rouge, Wimperntusche etc., damit keine Partikel in die Luft geraten.

Was ist eine Workstation und woraus besteht sie?

Die Workstation ist immer in eine Laminar-Flow-Kabine integriert, die eine beheizte Oberfläche besitzt, sodass die Gameten und Embryonen sich immer in einer Umgebung mit einer Temperatur von c. a. 37ºC befinden.

In dieser Arbeitsstation haben wir jegliches notwendige Material für die Prozesse zur Hand. Die Petrischalen, die wir verwenden, die Medien, die Pipetten, mit denen wir die Embryonen und Eizellen entnehmen, etc.

Ein weiterer wichtiger Schritt der Fruchtbarkeitsbehandlung findet im Labor der In-vitro-Fertilisation statt. Dabei kommt es zur Befruchtung von Eizelle und Spermium.

Was ist der Unterschied zwischen konventioneller IVF und ICSI?

Im Labor für In-vitro-Fertilisation verfügen wir über zwei Techniken der assistierten Reproduktion für die Vereinigung von Eizelle und Spermium.

IVF, In-vitro-Fertilisation, ist eine Technik der assistierten Reproduktion, die darin besteht, die männliche und die weibliche Keimzelle im Labor in eine Petrischale zu fügen, damit diese sich auf möglichst natürliche Weise miteinander verbinden.

Dazu fügen wir die Eizellen nach der Ovarialpunktion mit ihrem Nährmedium in die Petrischale und lassen eine bestimmte Menge von etwa 150.000 spz/ml im Nährmedium der Petrischale schwimmen.

Diese Petrischale wird in einem Inkubator mit einer bestimmten und konstanten Konzentration von Gasen und Temperatur konserviert. Am nächsten Tag entnehmen und reinigen wir diese Eizellen und wählen diejenigen aus, die eine korrekte Befruchtung aufweisen. Dies erkennt man an dem Erscheinen von Vorkernen. Danach bleiben die befruchteten Eizellen weiterhin in Kultur, um ihre Entwicklung individuell verfolgen zu können.

Diese Technik entstand Anfang der 80er Jahre, als man begann, Ovarialpunktionen durchzuführen, um Paaren zu helfen, die mit einer künstlichen Befruchtung aufgrund beschränkter Technik keine Schwangerschaft erreichen wie z. B. bei einer Ovarialobstruktion.

Aber auch bei dieser Technik gibt es Grenzen und nicht alle Probleme können gelöst werden. Wie z.B. das Scheitern der Befruchtung und bei Fällen von Unfruchtbarkeit ausgelöst durch einen schweren männlichen Faktor.

ICSI, die zytoplasmatische Mikroinjektion, ist eine Technik, bei der wir die Spermien künstlich in die Eizelle einführen, um die Befruchtung zu erleichtern. 1992 beschrieb Palermo den ersten Fall einer zytoplasmatischen Mikroinjektion mit Zwillingsgeburt.

Wann sollte man die ICSI-Technik anwenden?

  • Wenn die Ursache der Unfruchtbarkeit im männlichen Gamet, in geringer Spermienbeweglichkeit oder niedriger Spermienkonzentration liegt und wenn auf eine Hodenbiopsie zurückgegriffen werden muss.
  • Wenn die Ursache im weiblichen Gamet liegt: bei geringer Zahl von erhaltenen Eizellen, schlechter Eizellenqualität, früheren gescheiterten IVF-Befruchtung, fortgeschrittenem Alter.
  • Gemischte Ursachen; bei einer Kombination aus mehreren der oben genannten Ursachen.

Hinsichtlich der Erfolgsrate der Techniken sind beide gleich effektiv, auch die Schwangerschaftsrate ist gleich hoch. Die Wahrscheinlichkeit, eine Schwangerschaft zu erreichen, hängt nämlich mehr vom Alter und der Qualität der Eizellen selbst ab, als davon, wie sie befruchtet werden.

Sobald die Befruchtung stattgefunden hat, beginnt die Phase der Embryonalentwicklung. Die korrekte Entwicklung kann dann innerhalb des Inkubators verfolgt werden.

Welche Rolle spielt der Inkubator bei der Embryonalentwicklung?

Der Inkubator spielt eine fundamentale Rolle in der Embryonalentwicklung, da er der Ort ist, an dem wir die Eizellen nach der Mikroinjektion platzieren und wo sie während der ersten sechs Tage „leben“.

Im Inneren des Inkubators herrscht für die richtige Entwicklung des Embryos eine kontrollierte Temperatur und ein bestimmtes CO2 und O2 Level.

Wenn unser Inkubator zusätzlich mit einem Zeitraffersystem ausgestattet ist, bietet er uns den Vorteil, die Embryonen beobachten zu können, ohne sie aus dem Inkubator nehmen und somit während der gesamten Embryonalentwicklung nicht die kontrollierten Bedingungen unterbrechen zu müssen.

Welche Eigenschaften sollte ein Nährmedium haben?

Ein Nährmedium ist ein Gemisch aus organischen und anorganischen Verbindungen, das die Eileiterflüssigkeit zu imitieren versucht und in dem wir die Embryonen während ihrer gesamten Embryonalentwicklung halten.

Diese Medien versorgen die Embryonen mit den notwendigen Nährstoffen, damit diese sich richtig entwickeln können.

Wie wichtig ist das Urteil des Embryologen bei der Auswahl des besten Embryos für den Transfer?

Das Urteil des Embryologen ist das wichtigste von allen. Der Embryologe hat die Aufgabe, alle morphologischen, kinetischen und genetischen Kriterien zusammenzufassen, um eine möglichst genaue Auswahl zu treffen.

Einerseits haben wir die morphologische Klassifizierung, die vom Embryologen an jedem einzelnen Tag der Embryonalentwicklung ausgewertet wird. Zusammen mit dieser können wir die Embryonen mit Hilfe von Teilungszeiten, umgekehrter oder direkter Teilungen, Anwendung von Algorithmen etc. „rekategorisieren“. Wenn wir zudem genetische Informationen über den Embryo haben, ist die Auswahl noch detaillierter, da wir nur die genetisch normalen Embryonen betrachten, um den besten für den Transfer auszuwählen.

Ein Aspekt, der den Patienten große Sorgen bereitet, ist die Frage, was mit ihren Proben im IVF-Labor geschieht.

Wie wird sichergestellt, dass nie eine Probe im Labor verloren geht?

In den IVF-Labors ist die Rückverfolgbarkeit der Proben sehr wichtig.

Im Labor jeder unserer Kliniken Alicante, Madrid oder San Sebastian verfügen wir über ein integriertes Rückverfolgbarkeitssystem, durch das wir alle Prozesse „von wo es kommt, bis wohin es geht“ nachvollziehen können.

Wir können den folgenden Schritt nicht durchführen, ohne den vorhergehenden zu überprüfen. Alle Petrischalen, Röhrchen, Gefrierträger werden manuell und mithilfe des Systems doppelt beschriftet, sodass wir die Proben nicht verlieren oder verwechseln können.

Zusätzlich zu diesem System führen wir bei einigen sensibleren Prozessen wie dem Transfer oder der Embryo-Biopsie eine Doppelkontrolle durch.

Für die Lagerung der Proben (der Embryonen, der Eizellen, als auch der Samenproben) besitzen wir ein Computersystem, in dem wir den Standort der Proben in unser Datenbank registrieren, um diese schnell auffinden zu können. Dieser Ort wird auch im Laborprotokoll auf Papier festgehalten, um eine doppelte Kontrolle zu haben.

In unserem Zentrum für assistierte Reproduktion kennen wir den Stress und die Ängste, die unsere Patienten durchmachen. Daher ist unsere Kommunikation konstant, fließend und empathisch. Das Labor ist vielleicht sogar eine der Abteilungen, die am meisten mit dem Patienten kommunizieren muss, denn unter seiner Obhut und Professionalität befinden sich die Embryonen unserer Patienten.

Wie ist Ihre Kommunikation mit den Patienten?

Die Kommunikation mit den Patientinnen ist in jeder Phase der Behandlung sehr wichtig, aber in dem Moment, in dem sie den Zyklus im Labor beginnen, nach der Ovarialpunktion oder Gametenspende, ist diese Kommunikation noch wichtiger.

In unserer Klinik sprechen wir vom Erstkontakt, wenn unsere Patienten zum ersten Mal zu uns kommen, damit sie uns kennenlernen und wir ihnen ein wenig über unsere Arbeit erklären können. Wenn Sie während Ihrer Stimulation irgendwelche Zweifel haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Nach der Mikroinjektion, einem Schlüsselpunkt im Prozess der assistierten Reproduktion, der schon vor Monaten begann, ist es sehr wichtig, klare Informationen zu geben, damit die Patienten zu jeder Zeit verstehen, was passiert.

Wir kommunizieren täglich mit unseren Patienten. Jeden Morgen, nachdem wir die Embryonen kontrolliert haben, schicken wir ihnen eine E-Mail oder rufen sie an, je nachdem, wie unseren Patienten die Informationen gerne erhalten möchten.

Bis die Embryonen Tag 6 erreichen, berichten wir unseren Patienten Tag für Tag, wie sich ihre Embryonen entwickeln. Dabei teilen wir die folgenden Informationen mit:

  • Wie viele Embryonen korrekt befruchtet wurden.
  • Wie sie sich entwickeln.
  • Wie viele noch in der Entwicklung sind.
  • Wie viele von guter Qualität sind.

Am 5. und 6. Tag informieren wir Sie darüber, wie viele Embryonen wir vitrifizieren konnten bzw. im Falle eines Transfers informieren wir Sie direkt vor dem Transfer über das Ergebnis des Zyklus.

Wir glauben, dass wir durch diese Art der Kommunikation die Patienten mehr an dem Prozess teilnehmen lassen können und dass es hilft, den Prozess und den Ablauf zu verstehen.

Es gibt auch Patienten, die es vorzieht, nicht zu wissen, wie die Entwicklung ihrer Embryonen abläuft und lieber bis zum Ende warten möchten, da der Prozess zu viel Angst und Nervosität erzeugt. Wir überlassen diese Entscheidung immer unseren Patienten.

Komplex, akribisch und spannend ist der Tag in einem Labor unserer Kinderwunschklinik. Dank modernster Medizin und der fast handwerklichen Arbeit unserer Embryologen können wir helfen, etwas so wunderbares und wichtiges zu schaffen: ein neues Leben.

Werfen Sie einen Blick auf die kommenden Online-Veranstaltungen, um sich über Ihren Fall beraten zu lassen und neue Methoden zur Fruchtbarkeitsbehandlungen kennenzulernen, die ganz auf Sie zugeschnitten sind. ​