Single, 40, kinderlos – was kann man tun?

Aufgrund der hormonellen Veränderungen im Körper von Frauen während der sogenannten Wechseljahre wird eine Schwangerschaft ab einem Alter von 40 Jahren zunehmend unwahrscheinlich. Der Eisprung, die fruchtbare Phase im weiblichen Zyklus, wird seltener und es gibt immer häufiger Zyklen ohne Eisprung.

Je älter die Frau ist, desto weniger lebensfähige Eizellen verbleiben. Wenn kein Partner und potenzieller Vater in Sicht ist und die biologische Uhr lauter tickt, fühlen sich viele Frauen stark unter Druck gesetzt – groß ist die Angst, dass der Traum vom eigenen Kind nicht mehr erfüllt werden kann.

Als häufigste Ursache für Kinderlosigkeit gilt laut einer Untersuchung des Portals Statista ein fehlender Partner: Bei 39 Prozent der ungewollt kinderlosen Frauen ist dies der Fall.

Sie sollten sich daher bewusst machen, was sie möchten: Ist es eine feste Partnerschaft mit der Möglichkeit, eine Familie zu gründen oder steht der reine Wunsch nach einem Kind im Vordergrund? Denn in der heutigen Zeit gibt es vielerlei Möglichkeiten, seinen Traum vom Kinderglück auch ohne einen festen Partner an der Seite zu erfüllen.

Neue Reproduktionstechniken, die in den letzten Jahren entwickelt wurden, ermöglichen es alleinstehenden Frauen heute einfacher denn je, ein Kind zu bekommen. Im Folgenden werden die gängigsten Methoden der künstlichen Befruchtung sowie alternative Wege aufgezeigt, die bei einem unerfüllten Kindewunsch möglich sind:

Insemination – die häufigste Methode der künstlichen Befruchtung

Die am häufigsten angewendete Methode der künstlichen Befruchtung ist die Insemination. Bei dieser Samenübertragung werden die Spermien des Mannes über einen Katheter in die Gebärmutter, den Gebärmutterhals oder den Eileiter transportiert. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung. Die Insemination findet zur fruchtbaren Phase um den Einsprung statt (Konzeptionsoptimum). Oft wird der Eisprung durch Ärzte dabei künstlich herbeigeführt. Bei der heterologen Insemination stammt der Samen von einem fremden Mann, also von einem Samenspender.

In-Vitro-Fertilisation – Verschmelzung zwischen Eizelle und Spermium außerhalb des Körpers der Frau

Eine weitere Methode der künstlichen Befruchtung ist die In-Vitro-Fertilisation (IVF). Die Vereinigung zwischen Eizelle und Spermium finden hierbei außerhalb des Körpers der Frau statt. Die dabei entstehenden Embryos werden im Labor überwacht. Die Embryos mit der höchsten Wahrscheinlichkeit auf eine Einnistung in der Gebärmutter werden ausgewählt und der Empfängerin über einen Transfer eingesetzt.

Dadurch, dass bei der In-Vitro-Fertilisation die Eizellen entweder von der zukünftigen Mutter oder einer anonymen Eizellenspenderin genutzt werden können, kann diese Methode auch unfruchtbaren Frauen zur Erfüllung ihres Kinderwunsches verhelfen. War eine In-Vitro-Befruchtung erfolglos, wird nicht selten ein intratubarer Gametentransfer (Gamete Intrafallopian Transfer, kurz GIFT) durchgeführt.

Die Befruchtung findet hierbei im Körper der Frau statt. Die Eizellen werden zusammen mit den Spermien mit einem Katheter in den Eileiter gespült oder über die Bauchhöhle im Eileiter implantiert.

Hürden in Deutschland bei der künstlichen Befruchtung

Vor allem in Deutschland sind der künstlichen Befruchtung bisher hohe Hürden gesetzt. Die rechtliche Lage ist noch lückenhaft, was viele Ärzte bei der Unterstützung zögern lässt. Zudem arbeiten in Deutschland nur wenige Samenbanken mit alleinstehenden Frauen zusammen. Außerdem gibt es eine Richtlinie der Bundesärztekammer aus dem Jahre 2006, die besagt, dass Samenzellen eines Dritten lediglich dann verwendet werden dürfen, wenn eine medizinische Begründung vorliegt.

Ansonsten muss der Samen des Partners verwendet werden. In 14 der 16 deutschen Bundesländer drohen Ärzten daher sogar rechtliche Konsequenzen wie der Entzug der Berufszulassung, wenn sie alleinstehende Frauen künstlich befruchten. Dazu kommt die Tatsache, dass die rechtlichen Fragen bei Erb- und Unterhaltsrecht bislang noch nicht eindeutig geklärt sind. Fest steht bislang nur, dass erwachsene Kinder, die durch eine Samenspende gezeugt wurden, das Recht haben, ihren Vater kennenzulernen – auch wenn die Spende eigentlich anonym erfolgte.

Anders als in Deutschland ist die künstliche Befruchtung von alleinstehenden Frauen in anderen Ländern legal. Dank der europäischen Union ist es einfach wie noch nie, die künstliche Befruchtung im Ausland durchzuführen. Häufige Zielländer in diesem Zusammenhang sind Dänemark, Tschechien oder Spanien, in denen dank der liberalen Gesetzgebung eine Samenspende auch bei alleinstehenden Frauen möglich ist. Doch auch im Ausland sollte man mögliche Altersobergrenzen im Blick behalten: In Dänemark ist eine künstliche Befruchtung beispielsweise nur bis zum 45. Lebensjahr möglich.

Alleinstehende Mütter – Mit Organisation Herausforderungen überwinden

Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen bei künstlichen Befruchtungen sollte ein wichtiger Aspekt nicht außer Acht gelassen werden. Auch wenn eine künstliche Befruchtung im Ausland erfolgreich verlaufen ist, sind nicht alle Hindernisse überwunden. Als Alleinerziehende ein Kind zu versorgen, bedeutet gleichzeitig, die doppelte Aufgabenlast leisten zu müssen. Sie haben oft keine andere Möglichkeit, als gleichzeitig weiter Vollzeit arbeiten zu müssen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass alleinstehende Frauen ihren Bekannten- und Familienkreis miteinbeziehen und bei Bedarf Hilfe in Anspruch nehmen. Auch alternative Familienmodelle wie das Co-Parenting, bei dem sich mehrere Menschen auch ohne Liebesbeziehung die Elternschaft teilen und abwechselnd für das Kind sorgen, sind einer näheren Betrachtung wert. Wichtig ist hierbei, dass das Wohl des Kindes im Fokus steht.

Adoption – eine Möglichkeit?

In Deutschland ist es grundsätzlich möglich, auch als Alleinstehende ein Kind zu adoptieren. Da es jedoch das erklärte Ziel ist, dass die Kinder möglichst in einer intakten Familie mit einem Eltern-Kind-Verhältnis aufwachsen, prüfen die Ämter in diesem Fall besonders genau, ob eine Adoption in Frage kommt.

Eine grundsätzliche Altersobergrenze für Adoptivmütter besteht dabei nicht. Die Jugendämter sprechen jedoch in der Regel nur dann eine Empfehlung für eine Adoption aus, wenn der Altersabstand zwischen den Eltern und dem Kind nicht mehr als 40 Jahre beträgt. Auf der Webseite des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend werden weitere Kriterien genannt, die eine Adoption bei Alleinstehenden ermöglichen.

Fazit: Auch für einen Kinderwunsch ab 40 und ohne den passenden Partner gibt es verschiedene Möglichkeiten. Es gibt einige Mittel und Wege, wie sich das Familienglück dank einer künstlichen Befruchtung, Co-Parenting oder Adoption doch noch erfüllen lässt. Es ist zudem nicht ausgeschlossen, dass man eines Tages den richtigen Partner kennenlernt, der die Vaterrolle gern übernimmt.