Künstliche Befruchtung im Ausland: Worauf sollte geachtet werden?

Die eigene Familiengründung stellt für die meisten Paare den bedeutendsten Schritt in eine gemeinsame Zukunft dar. Umso tragischer wenn dieser trotz aller Bemühungen nicht gelingen will. Weltweit sind nach Expertenschätzungen 48,5 Millionen Paare aufgrund von Unfruchtbarkeit ungewollt kinderlos. Viele entscheiden sich an diesem Punkt für die Vorteile der modernen Medizin. Mithilfe von künstlicher Befruchtung ­­– Eizellen – oder Samenspende – soll das gemeinsame Familienglück doch noch ermöglicht werden. Während die Samenspende in Deutschland erlaubt ist, kann eine Eizellenspende jedoch nur im Ausland durchgeführt werden.

Das innerhalb Deutschlands geltende Embryonenschutzgesetz, die vergleichsweise strengste Regelung in Europa, verkörpert für viele Paare eine Herausforderung. Für die Betroffenen bleibt nur die Reise in die EU-Nachbarländer nach Belgien, England, Tschechien oder Spanien. Hier bietet die Gesetzgebung mehr Möglichkeiten. Tausende Paare reisen jährlich ins Ausland, um dort ihren Traum in die Wirklichkeit umzusetzen.

Die letzte Hoffnung: Für das Familienglück über die Grenze

Dank der EU-Gesetzgebung ist die ärztliche Behandlung im Ausland legal möglich. Neben einer hohen Erfolgsquote der Schwangerschaften, werden auch vergleichsweise geringe Kosten versprochen. Da aber die meisten Krankenkassen keine ärztlichen Eingriffe im Ausland übernehmen, müssen die Betroffenen die Kosten selber stemmen. Die Sehnsucht nach der Schwangerschaft ist den meisten Frauen diese Summen wert. Die In-vitro-Fertilisation findet außerhalb des Körpers statt. In einer Petrischale wird von dem Arzt die Eizelle mit dem Samen zusammengebracht. Zuvor werden die Chancen auf ein Baby mithilfe einer Hormonstimulation der Frau zusätzlich gesteigert. Laut dem Deutschem IVF-Register werden jährlich mindestens zwei von hundert Kindern auf diese Weise gezeugt. Die Nachfrage ist enorm – dies birgt jedoch auch den perfekten Nährboden für schwarze Schafe. Umso wichtiger ist es, sich bei der Wahl der Kinderwunschklinik umfassend zu informieren:

Worauf sollte bei der Eizellenbefruchtung im Ausland geachtet werden?

  • Neutrale Beratung

Seriöse Anbieter zeichnen sich durch ein hohes Maß an Empathie und Interesse für den Patienten aus. Diese zu finden kann sich aufgrund des hohen Angebots oftmals als schwieriger entpuppen als gedacht. Qualitative Einrichtungen nehmen sich nicht nur Zeit für das Paar, sondern beraten dieses neutral und aufrichtig. Im Mittelpunkt aller Entscheidungen sollte immer die Gesundheit des Patienten stehen – und nicht die Interessen der ärztlichen Einrichtungen. Das Wohlbefinden der Patienten ist von enormer Bedeutung für den Behandlungsverlauf und ausschlaggebender Faktor für die Erfolgschancen.

  • Qualitätsstandards

Ein weiterer wichtiger Faktor sollte die Aktualität der eingesetzten Technologien in der jeweiligen Klinik spielen. Ein erstklassiges Wissenschaftler-Team mit ausreichender Erfahrung gewährleistet hohe Erfolgsraten. Diese lassen sich oftmals vor Ort selbst einsehen oder zuvor erfragen. Genetische Tests zur Verbesserung der Transferbedingungen und die Abklärung immunologischer Hemmnisse sind ebenfalls ein wichtiger Aspekt des optimierten Embryonentransfers. Sind diese nicht Teil des Behandlungsablaufes, sollte lieber noch einmal genauer hingeschaut werden. Offizielle Zertifizierungen und Auszeichnungen einer Klinik erleichtern die Entscheidung zusätzlich und sind in jeder seriösen Einrichtung zu finden.

  • Rahmenbedingungen

Neben der Fortschrittlichkeit der angewendeten Methoden können aber auch die Rahmenbedingungen vor Ort von Bedeutung für die Patientenzufriedenheit sein. Die spanische Gesetzgebung beispielsweise sieht eine anonyme Eizellspende vor. Die Eltern der Kinder sollten sich also darüber im Klaren sein, dass weder sie noch ihr Kind jemals die Möglichkeit haben werden, Kontakt zu der Spenderin aufzunehmen. Diese werden jedoch sorgfältig ausgewählt, um eine höchstmögliche Erfolgsgarantie bei der Anwendung zu ermöglichen. Auch der Kontakt zwischen dem Kinderwunschzentrum selbst und den Patienten kann Aufschluss über die Qualität der Betreuung geben. Manche Kliniken stellen den Paaren sogar Internationale Patienten-Assistentinnen der eigenen Muttersprache zur Verfügung, die den Patienten während des gesamten Aufenthalts betreuen und psychologisch unterstützen, damit sie sich rundum wohl und verstanden fühlen. Hierzu zählt auch ein ehrlicher und transparenter Umgang mit möglichen Risiken der künstlichen Befruchtung.

  • Erfahrungen von Patienten

Hat es eine Klinik in die engere Auswahl eines Paares geschafft, macht es Sinn, sich Erfahrungen ehemaliger Patienten einzuholen. Diese sollten selbstverständlich unabhängig und ehrlich sein. In unterschiedlichen Internet-Foren lassen sich Ansprechpersonen finden – einige Einrichtungen vermitteln Kontaktpersonen nach Anfrage sogar persönlich. Können diese die Klinik empfehlen und wurden im besten Fall mit einer erfolgreichen Schwangerschaft gesegnet, spricht nichts mehr dagegen selbst guten Gewissens den Schritt zum eigenen Familienglück zu gehen.