Queerer Kinderwunsch: Gleichgeschlechtliche Paare möchten Eltern werden, aber wie?

Queerer Kinderwunsch

Gleichgeschlechtlich liebend und Kinderwunsch: Was ein Widerspruch zu sein scheint, ist in Wirklichkeit gar keiner. Tatsächlich möchten jede zweite lesbische Frau und jeder dritte schwule Mann in einer Familie mit Kindern leben. Mit diesem Thema wird sich in Deutschland kontrovers auseinandergesetzt. Ob es Kindern in sogenannten Regenbogenfamilien anders ergeht als in einem „klassischen“ Haushalt, wird seit vielen Jahren in Studien untersucht.

Häufig kommen Forscher zu dem Ergebnis, dass sich Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung kaum bis gar nicht unterscheiden von denjenigen, die in anderen Familienformen aufwachsen. Auch wenn das Heiraten seit Herbst 2017 homosexuellen Paaren gesetzlich ermöglicht wurde, sind dem Kinderglück weiterhin einige Hürden gesteckt. Dies ist jedoch noch lange kein Grund, auf den Familientraum zu verzichten: Auch gleichgeschlechtlichen Paaren ist es möglich, Kinder großzuziehen.

Gleichgeschlechtliche Paare: Dank künstlicher Befruchtung zum Babyglück

Eine künstliche Befruchtung ist bei vielen lesbischen Paaren die erste Überlegung. Eine Samenspende von einem anonymen oder nicht-anonymen Mann kann die Tür ins Familienglück öffnen. In Spanien ist beispielsweise, die ROPA-Methode eine sehr beliebte Kinderwunschbehandlungsoption für lesbische Paaren, da sie beiden Frauen die Möglichkeit gibt an dem Prozess bzw. Schwangerschaft teilzunehmen und später das Gefühl eines gemeinsamen Kindes zu bekommen größer ist. Hierzu werden einer der beiden Frauen Eizellen entnommen, die dass mit einem Spendersamen befruchtet und der Partnerin implantiert werden. So trägt das Kind das Erbmaterial der einen Frau und ihre Partnerin wird das Kind austragen.

In Deutschland sind Kinderwunschbehandlungen bei homosexuellen Paaren grundsätzlich zwar möglich, jedoch auch zu Zeiten der „Ehe für alle“ rechtlich nicht vollständig geklärt, was dazu führt, dass manche Ärzte lesbische Frauen nicht als Patienten aufnehmen. Betroffene sollten sich daher gründlich mit ihrer gewünschten Kinderwunschklinik auseinandersetzen, auch ein Blick ins europäische Ausland kann sich lohnen.

Bei der Finanzierungssituation der Kinderwunschbehandlung in Deutschland herrscht dagegen Ungerechtigkeit. Zwar können künstliche Befruchtungen steuerlich geltend gemacht werden, doch in einem Urteil des Landgerichts Münster gilt dies nicht für homosexuelle Paare. Im konkreten Fall wurde die steuerliche Absetzung der durch eine Fruchtbarkeitsbehandlung entstandenen Kosten vom Finanzamt nicht anerkannt. Zwar wurde die Behandlung nach Maßstäben des deutschen Embryonenschutzgesetzes durchgeführt, doch entschieden die Richter gegen die beiden klagenden Frauen. Bei der Teilkostenübernahme durch die Krankenkassen besteht derzeit noch Unklarheit. Die Kassen erstatten bei verheirateten Paaren einen deutlich größeren Anteil als bei unverheirateten Betroffenen, doch ob dies auch für homosexuelle Partnerschaften gilt, ist derzeit noch nicht vollständig geklärt.

Bei Männer-Paaren mit Kinderwunsch sieht die Situation etwas anders aus. Einer der beiden Partner könnte sich beispielsweise als Samenspender für ein lesbisches Paar zur Verfügung stellen und das Kind gemeinsam zu viert aufziehen. Solche Regenbogenfamilien sind neben einer Adoption für schwule Paare in Deutschland oft der einzige Weg zum Kinderglück. Denn Leihmutterschaft, bei der eine fremde Frau freiwillig das Kind austrägt und gebärt, sind hier nicht zulässig. Die Reise ins Ausland, wo andere Gesetze und Möglichkeiten gelten, steht jedoch allen Wunschfamilien offen.

Ist Adoption eine Möglichkeit?

Lange Zeit war die Adoption eines Kindes nur heterosexuellen Ehepartnern vorbehalten. Gleichgeschlechtliche Paare konnten nur über eine sogenannte Stiefkindadoption gemeinsam ein Kind annehmen. Hierbei adoptiert ein Partner das leibliche Kind des anderen. Auch bei nicht-leiblichen Kindern konnte zunächst nur ein Partner ein Kind adoptieren, ehe es im zweiten Schritt auch vom anderen Partner „mitadoptiert“ werden konnte. Seit dem Inkrafttreten der „Ehe für alle“ im Oktober 2017 eröffnet sich die Möglichkeit der gemeinsamen Adoption auch homosexuellen Paaren: Bereits kurze Zeit nach Inkrafttreten des Gesetzes wurde von diesem neuen Recht Gebrauch gemacht. In Deutschland ist eine Adoption jedoch nichtsdestotrotz ein langwieriger Prozess mit vielen Hürden: Auf ein Adoptivkind kommen im Schnitt sechs Bewerber und nur bis zu einem bestimmten Alter ist Adoption für Eltern möglich. Als weitere Möglichkeit gilt eine Adoption aus dem Ausland. Diese sind jedoch in der Regel sehr kostspielig und mit den Herausforderungen kultureller und rechtlicher Unterschiedlichkeiten verbunden. Je nach Liberalität des Landes kann es bei gleichgeschlechtlichen Paaren außerdem zu weiteren Schwierigkeiten kommen. Grundsätzlich müssen bei der Adoption minderjähriger Kinder beide Elternteile ihre Einstimmung geben. Ab einem Alter von 14 Jahren muss außerdem das Kind selbst zustimmen.

Traumfamilie = Pflegefamilie?

Während das Adoptionsrecht in Deutschland für lange Zeit gleichgeschlechtliche Paare als Eltern zweiter Klasse angesehen hat, sind sie auf einer anderen Ebene dringend gesucht: Als Pflegeeltern geben sie Kindern ein Zuhause, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht bei ihren leiblichen Eltern wohnen können oder wollen. Hier ist der Bedarf hoch, denn es fehlt überall an Pflegeeltern. Anders als bei einer Adoption wird großen Wert darauf gelegt, dass der Kontakt zwischen den Kindern und ihren leiblichen Eltern nicht abbricht. Zwar ist die Pflegeelternschaft grundsätzlich erstmal unbefristet, doch bleibt die Unsicherheit, dass die Kinder eines Tages zu ihren leiblichen Eltern zurückkehren.

Welche Methode auch immer die geeignetste scheint – gründliches Informieren ist das A und O. Beratungsstellen und das Jugendamt geben Tipps und Hilfestellungen bei Fragen zum Thema Adoption und Pflegeelternschaft. Bei Kinderwunschbehandlungen sind die Ärzte und Kliniken selbst sicherlich eine gute Adresse. Auch zu diesem Thema gibt es unabhängige Informationsstellen wie etwa der Beratungsführer des Lesben- und Schwulenverbands LSVD, die Kontakte vermitteln und Erfahrungsberichte liefern können. Somit gibt es zahlreiche Hilfestellungen, die es ermöglichen, den Traum vom queeren Kinderwunsch zu erfüllen und den symbolischen Regenbogen erstrahlen zu lassen.